Gewalt in den Medien — Gewalt in der Realität: by Helga Theunert

By Helga Theunert

Das Phanomen 'Gewalt' als Gegenstand sozialwissenschaftlicher Diskussion hat eine durchaus facettenreiche culture in unterschiedlichen Diszipli nen: Nach den gesellschaftlichen Funktionen fragen Philosophie, Soziolo gie und Politische Wissenschaft; als eine Komponente zwischenmenschlicher Beziehungen betrachtet es die Psychologie; mit Moglichkeiten, ihm auf in dividueller und gesellschaftlicher Ebene entgegenzuwirken, befasst sich die Padagogik, insbesondere friedens- und konfliktpadagogische Ansatze. Die Vielfalt daraus resultierender Blickrichtungen reduziert sich be trachtlich, wird das allgemeine Phanomen auf das spezifische von 'Gewalt in den Medien' konzentriert. Hier dominiert weitgehend ungebrochen eine Forschungstradition, der es v. a. darum zu tun ist, individuelles Gewalt handeln vorherzusagen, indem sie einzelne Wirkfaktoren isoliert und be schreibt. Als ein bedeutender Wirkfaktor gelten die audiovisuellen Me dien, hat die hier prasentierte Gewalt doch im Wortsinne "Vor-Bild" Charakter. Eine klare Antwort auf die Frage, ob mediale Gewaltdarstel lungen Wirkungen auf reales Handeln von Menschen haben, und wenn ja, welche dies sind, gibt es bis heute nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben. Die Crux dieser Forschungen liegt in dem Versuch, die kom plexe soziale Wirklichkeit, das Lernfeld des Menschen, in isolierte Ein flussgrossen zu zerteilen . . Im konkreten Fall bedeutet dies, mediale Ge waltdarstellungen aus ihrem gesellschaftlichen Entstehungszusammenhang, actual existenten Gewaltphanomenen und -verhaltnissen, und aus ihrem Wir kungskontext, den realen Gewalterfahrungen der Individuen, zu losen. Die Folge sind widerspruchliche Ergebnisse, die komplexe Zusammenhange sim plifizieren. Deren Einfachheit magazine bestechen, suggerieren sie doch bun dige Erklarungen und Losungsmuster fur reale Gewalt. Als Grundlage pad agogischen Handelns sind sie jedoch durchweg ungeeign

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B. über mehr Wissen verfügt, verliert sie jedoch an Effektivität. Die Machtmittel, auf denen in situativen Machtverhältnissen die Durchsetzungschance beruht, stellen die Grundlage der Gewaltanwendung dar oder sie sind selbst potentielle Gewaltmittel. Deutlich wird dies im Fall körperlicher Überlegenheit: wird sie eingesetzt oder mit ihrem Einsatz gedroht, schlägt das Machtverhältnis in ein Gewaltverhältnis um, da 45 der Betroffene in jedem Fall physisch oder psychisch geschädigt wird. Subtiler verhält es sich mit den anderen angeführten Machtmitteln; selbst ihr Einsatz muß nicht notwendig Gewalt darstellen.

Es mag auf Dauer gestellte gesellschaftliche Machtkonstellationen geben, die nicht per se die Faktizität struktureller Gewalt implizieren, dies ist jedoch die empirisch kaum vorfindbare - Ausnahme. Strukturelle Verankerung, Institu48 tionalisierung und normative Sicherung gewährleisten den Inhabern genereller Macht nicht nur die besseren Chancen zur Durchsetzung ihrer Interessen, sondern sie verhindern zugleich die Durchsetzungschancen der nicht-privilegierten Gruppen und behindern somit deren 'potentielle Verwirklichung'.

Diese Sichtweise des Individuums als prinzipiell handlungskompetentes, gesellschaftliches Subjekt, schließt mechanistische Erklärungsmuster menschlichen Verhaltens und Handelns etwa nach dem Schema der 'Triebdominiertheit' oder nach dem Schema des 'Reiz-Reaktions-Reduktionismus' aus. Reale Gewalttätigkeit von Individuen - so läßt sich dieser Aspekt auf das Problem Gewalt Ubertragen - hat mehr als nur eine Ursache. Die Ursachen liegen weder ausschließlich im Individuum selbst, noch ausschließlich in seinem gesellschaftliChen Umfeld, vielmehr im Wechselprozeß zwischen diesen beiden Komponenten.

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